Noch Platz am Feuer

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Idee vom Sommer 2002 und Gedanken aus dem September...

Idee:

Es gibt so viele Dinge, über die ich sprechen möchte, Theorien, wie ein friedvolles Zusammenleben funktionieren könnte - bislang hat sich aber nur ein ganz kleiner Kreis zusammengefunden, sich mit mir gelegentlich zusammenzusetzen und Rat abzuhalten.

So suche ich nun hier weitere Teilnehmer für eine Gesprächsrunde beim Tee im Winter oder beim Grillfeuer im Sommer. Phantasie, Idealismus und der Glaube an das Gute im Menschen sind mitzubringen.

Praktischerweise sind Menschen aus meiner Nähe angesprochen, nämlich aus der Eifel, und die erstreckt sich klassicherweise über ein Gebiet, dessen Grenze vom Kölner Dom bis nach Aachen, an der belgischen und luxemburgischen Grenze entlang zur Mosel, bis nach Koblenz ans Deutsche Eck und wieder nach Köln führt.

Für alle Teilnehmer (auch die virtuellen aus dem Internet) soll an dieser Stelle ein Forum entstehen, in dem Ideen dargestellt und erörtert werden können.

Gedanken im September 2002

Warum eine eigene Schrift und eine eigene Sprache? Eine einheitliche Kultur verbindet auch in schlechten Zeiten. Ist es nicht so, dass wir uns im Ausland plötzlich wildfremden Menschen aus unserem eigenen Land näher fühlen, nur weil sie unsere Sprache sprechen oder ein Auto mit Kennzeichen aus unserer Heimat fahren – selbst dann, wenn es sich um Menschen handelt, mit denen wir uns eigentlich gar nicht abgeben würden, weil sie einer anderen sozialen Schicht entspringen oder sonst irgendwie abstoßend wären? Es ist also die Gemeinschaft, die der Mensch sucht, die Zugehörigkeit zu einer Herde, wie das schon bei den Primaten war. Nicht umsonst ist die Familienbande so stark und das Clan-System alter Kulturen so effizient. Wir müssten eigentlich nur wieder Familien oder Zugehörigkeitsgruppen bilden, um in einer stabileren Gesellschaft zu leben, in der einer den anderen achtet und jeder für den anderen da ist.

 

Im Kleinen neu anfangen, gerecht verteilen - auch die Aufgaben...

An dieser Stelle kommen mir viele mit dem Einwurf, dies sei ja der Kommunismus. Weit gefehlt! Ein System, das alle gleich macht, funktioniert auf gar keinen Fall. Eine stabile Gesellschaft kommt ohne ein Rangsystem, das die Einsatzbereitschaft und vor allem die Einsatzfähigkeit ihrer Mitglieder berücksichtigt, nicht aus. Außerdem würde sich letztlich niemand für irgendetwas verantwortlich fühlen, weil es ja allen gehört und auch jeder andere verantworlich zu machen wäre. Nein, ich möchte, dass sich eine Gemeinschaft formiert, in der jeder seiner Neigung nach zum Wohle aller wirkt, eine Gesellschaft, die sich selbst stabilisiert, weil sie einfach funktionieren will und ihren Mitgliedern durch diesen Erfolg Zufriedenheit gibt ­- was für sich gesehen mehr ist als jeder andere denkbare Lohn.

 

Ich habe lange danach gesucht, was eine Gruppe noch einen könnte. Ein Zeichen womöglich. Kein “geheimes Erkennungszeichen”, denn die Gruppe sollte sich auf keinen Fall von der normalen Gesellschaft zu sehr entfernen, schon allein deswegen, weil Andersdenkende allzuschnell verfolgt werden. Ein Zeichen, unter dem sich die Menschen zusammenfinden können, das ihre Einheit widerspiegelt oder die Hoffnung ausdrückt, in der sie sich zusammengefunden haben. Fahnen oder Wappen gibt es schon viel zu viele… Ein Tier? Aber welches. Ein Ring? Viel zu banal. So bin ich auf den Olivenbaum gestoßen. Er ist grün wie die Hoffnung und wächst – ganz langsam, aber stetig und trägt reiche Frucht. So soll auch die Gemeinschaft des Olivenbaums sein: stetig wachsen und für alle ihre Mitglieder reiche Frucht tragen.

 

Der Gedanke kam wie eine Eingebung in einem Garten in Reggio di Calabria (Italien). Ich sah einen der dort unzähligen Olivenbäume und fragte mich, ob es denn möglich wäre, einen solchen Baum in meiner Heimat anzusiedeln. Denn, wo einst die Römer den Wein kultivierten, mag doch vielleicht auch ein Olivenbaum wachsen. So fragte ich meinen Verwandten, dem der Garten gehört, wie sich denn ein solcher Baum vermehre. Und er zeigte mir einige kräftige Schösslinge, die im unteren Bereich des Stammes entstanden waren und bestimmt schon mehr als anderthalb Meter weit der Sonne entgegentrieben. Er schlug mir einen ab und ahnte schon, was ich damit vorhätte. Darum ging er, eine Hacke zu holen, mit welcher er einen zweiten Trieb entfernte, der noch näher am Erdreich entstanden war und gar eigene Wurzeln hatte, denn ob der abgebrochene Zweig wirklich Wurzeln schlagen würde, sei auch wegen der Jahreszeit sehr fraglich, meinte er. Wir hatten schon September in einem Jahr, in dem der Sommer kein Sommer war, Regengüsse und Unwetter Europa von der iberischen Halbinsel über den Balkan bis Skandinavien überschwemmten, wie schon seit Jahrhunderten nicht und gerde erst ein mittleres Erdbeben Palermo erschüttert hatte. Und gerade, ein Jahr nach dem Flugzeugattentat auf das World Trade Center in New York mit dem fatalen Einsturz der beiden Hochhaustürme. In solch einem Jahr bedarf es der Hoffnung besonders, zumal gerade auch die neue Europäische Währung namens Euro eingeführt worden war und nun in allen Mitgliedsstaaten der europäischen Gemeinschaft eine unerhörte Teuerung eintrat, welche die Poltiker zwar in allen Landen wegzudichten gedachten, doch nicht schafften. Zu allem Überfluss trieb der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika im Vorfeld seines Wahlkampfes den “Krieg gegen den Terror”, als welchen er schon seine militärischen Operationen in Afghanistan gegen die vermeintlichen Urheber des Attentats mit entführten Verkehrsflugzeugen deklariert hatte, nun auch erneut gegen den Irak und seinen Diktator, welchem die Amerikaner trotz eines weltbedrohenden Krieges vor Jahren schon  nicht Herr geworden waren, und der aktuelle Kanzler der Deutschen, über den an diesem Wochenende zu entscheiden sein wird, stellte sich wohl nur wegen seines Wahlkampes gegen die Amerikaner – freilich anders als die Briten, die der neuerlichen Kriegsdrohung der vereinigten Staaten gegen den Irak für den Fall, dass dieser nicht sämtliche Waffen strecke, gleich weltweit Nachdruck zu verleihen trachteten. Unliebsames Resultat dieser erneuten Gefährdung des Weltfriedens unter dem erklärten Missfallen der Russen ist zunächst eine Ölpreiserhöhung und wird, wenn sich der Krieg weiter ausweitet, auch erneut die Mitgliedsländer der Vereinten Nationen viel Geld kosten.

 

In dieser Lage also bot sich nun die Gelegenheit, in den Besitz eines Olivenbaumes zu kommen, und es kam noch besser: Statt nur des abgebrochenen Zweiges, der vielleicht Wurzeln ziehen würde, oder des ausgegrabenen Triebes, welcher bereits Wurzeln hatte, fand sich unter dem Olivenbaum, welcher nicht im fruchtbaren Garten am Hang hinter dem Haus, sondern vorne an der Straße in steinigem Boden wurzelte, den die Deutschen noch vor gut einem halben Jahrhundert in ihrem zweiten weltumspannenden Krieg mit ihren Geschossen umgepflügt hatten, ein etwa 15 Zentimeter langer, junger Olivenbaum, der sich offenbar ganz von alleine – auf natürlichstem Wege also, selbst gepflanzt hatte, nämlich allein aus dem Kern einer herabgefallenen Olive heraus. Der Verwandte grub diesen winzigen Olivenbaum mit der Hacke, die er noch immer in der Hand hielt, für mich aus und pflanzte ihn mitsamt der dunklen, bröseligen und steinigen Erde, in welcher die Pflanze entstanden war, für mich in einen Topf.

 

Eintrag vom Februar 2003

 

Der Olivenbaum hat die Reise ins kalte Deutschland überdauert. Ich habe einen großen, grünen Leimeimer genommen, den Boden mit Kieselsteinen bedeckt, ihn dann zu Dreivierteln mit Walderde aufgefüllt, und schließlich den Baum in seiner eigenen Erde eingesetzt. Eine oberste Schicht aus älterer Blumenerde sollte ihm Dünger sein. Eine ganze Weile habe ich den Baum so auf dem Dach des Hauses, in dem ich wohne, stehen gelassen und rechtzeitig im Dezember vor dem Frost ins Innere geholt. Die Heizungsluft hat ihm wohl Frühlingsgefühle beschert, und so trieb er gleich einige Zentimeter aus. Aus der Erde wuchsen weitere Pflanzen: Sowohl die Brombeeren, die hinter dem Haus meines Freundes wuchern, als auch die Walnuss, die ich absichtlich ins Erdreich gedrückt hatte, trieben aus. Nun drängt ein neuer Standort in der freien Natur um so mehr.

 

P.S.: Nun such ich noch nach einem schönen Grundstück, um den Baum einzupflanzen.



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